Auf 'ne Stulle mit Autorin Anne Büttner

 

Anne Büttner schreibt über alles außer Binnenschifffahrt, wenn sie nicht gerade eine Stulle isst - in der Böse-Buben-Bar in Berlin-Mitte - wo auch die anderen reichen Leute wohnen. Gesprochen haben wir über den Champagner zu ihrem Spiegel-Beststeller, ihre Schreibblockaden-Diät und die Lebensmittel, mit denen man ihre Texte bekleckern dürfte. Also über alles eigentlich, alles, außer Binnenschifffahrt.

 

Wonach schmeckt dein Buch „Der Rest ist das, was übrig bleibt“?

 

Es schmeckt angebrannt. Manchmal verbrannt und noch manchmaler [sic] hoffnungsvoll versalzen. Vordergründig aber schmeckt es wohl nach derber Rustikalität, zartbitter bis hart zart nuanciert. Trotzdem weder leicht bekömmlich noch leicht im Abgang. Aber dafür beim Anrichten Mühe gegeben. Das Auge liest schließlich mit. Naja. Und es schmeckt abgelaufen, dem Nachfrageüberhang sei` s gedankt.

 

Welches sind Reste, die typischerweise von deinem Teller übrig bleiben?

 

Zu viel Soße oder Dressing und der Teller als solches. Und wenn es Topfwurst gab, dann die. Und zwar komplett.

 

Dein Essverhalten in 3 Worten:

 

kalt schlägt warm

 

Was isst du bei Schreibblockaden?

 

Alles, was ich finde - bevorzugt Süßkram. Üblicherweise finde ich aber nie so viel. Entweder weil ich es bei der letzten Schreibblockade gegessen habe oder eben meinen Körper vor der nächsten schützen will. Nur wenn kein Eis da ist, und es ist NIE Eis da, muss ich dann doch nochmal los. Gelöst bekommen hab ich eine Schreibblockade, glücklicher- oder bedauerlicherweise, aber noch nie durch Essen. Und es ist ja auch kein Genuss, das Blockadenessen. Ist aber auch nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist es, mich kurz mit Magenschmerzen abzulenken und das klappt üblicherweise.

 

Was trinkst du, wenn dein Buch auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller steht?

 

Aus Höflichkeit den Champagner, den man mir sicher anreichen wird.

 

Du darfst mit deiner Lieblingsschriftstellerin auf ein Dining-Date gehen. Mit wem gehst du wohin?

 

Oha. Das ist schwierig. Was vor allem daran liegt, dass ich keine Lieblingsschriftstellerin habe. Also keine, deren Werk ich umfassend genug kenne, um sie guten Gewissens als Lieblingsschriftstellerin zu bezeichnen. Aber wenn, dann unbedingt Sibylle Berg. Mit ihr würde ich auch auf ein Dining-Date gehen, hättest Du mich nach meiner Lieblingsfachkraft für schweres Baugerät oder kniffelige IT-DingsbumsirgendwasmitkrassenHackingmoves gefragt. Mit Frau Berg suchte ich eine schöne Baustelle an einer vielbefahrenen Bundesstraße aus. Dort säßen wir in einem Baucontainerhochsitz, schauten aus der Kanzel auf die Arbeitenden und erfreuten uns der Funktionabilität und des Klangs der Baumaschinen, während wir uns Stullen, saure Gurken und Vorarbeiterinnen-Bowle schmecken ließen. Oder was auch immer angereicht würde.

Die zweite Frau, die mir ziemlich sofort einfiel, ist Insa Wilke. Sie ist zwar keine Schriftstellerin, aber als Literaturkritikerin ja im

gleichen "Betrieb" tätig. Mit ihr würde ich ebenfalls sofort auf ein Dining-Date gehen. Ob sie will oder nicht. Gern in eine Tapas-Bar. Oder beim Franzosen Meeresgetier speisen oder Antipasti in einem Ristorante. Letztendlich wäre es mir gleich - mir geht es primär um die Begleitung und ums Wort. Das ist mir oft mehr Genuss als Essen.

 

Nach diesem Interview haben Menschen wahrscheinlich das Bedürfnis, dir aufzulauern. Würdest du verraten, wo sich deine liebste Lokalität befindet?

 

Ich bin häufig im „Tres Tapas“ im Prenzlauer Berg. Falls es tatsächlich um ganz allgemeine Lokalität geht (also auch Bar), dann die Wohnzimmer-Bar oder Marietta in Prenzlauer Berg. Falls nicht: Ab jetzt eventuell häufiger im Nauta, Meeresgetier dinieren. Auch ohne Insa Wilke.

 

Eine Woche nicht schreiben oder eine Woche nicht essen?

 

Erhöhe auf: Eine Woche schreiben, zwei Wochen nicht essen. Oder was eben medizinisch vertretbar ist.

 

Mit welchem Lebensmittel dürfte man auf deine Texte kleckern?

 

Grundsätzlich kommt es natürlich drauf an, wer kleckert. Und darauf, ob vorsätzlich gekleckert wird oder eben (hoffentlich) nicht. Auf Online-Texte darf mit allen Lebensmitteln gekleckert werden. Ungern an meinem Rechner. Auf Print-Texte ebenfalls Kleckern mit allen Lebensmitteln erlaubt, solang noch (m)ein Exemplar lesbar bleibt. Auf meine handschriftlichen, noch nicht übertragenen Notizen: Gern nur mit textdurchlässigen Lebensmitteln. Da dieses Rohmaterial jedoch nur ich zu sehen (und zum vollkleckern) bekomme, würde ich, im Falle nichttextdurchlässigen Gekleckses, eventuell eine Woche nicht mit mir reden. Dann wär vermutlich wieder gut.

 

Bitte ergänze folgende Satzanfänge:

 

Veganismus… ist eine Form der Ernährung, aber (noch) nicht meine.

 

Essen und Frauen ... sind nicht wegzudenkender Bestandteil meiner Bedürfnispyramide. Frauen, Menschen generell, dabei auf mehr Stufen, denn Essen.

 

Massentierhaltung ... ist toleriertes Verbrechen und menschliches Armutszeugnis.

 

Welche Frage hätte ich dir stellen sollen?

 

Noch etwas Champagner, wie damals, als Dein Buch auf Platz 1 der Spiegel-Beststeller stand?

 

Danke, Anne. 

 

Anne Büttner hat sich ihre Vollkornstulle mit Rote-Beete-Creme und Camembert gewünscht.

 

Wer Annes neues Buch verlegen, ihre sonstigen literarischen Machenschaften verfolgen oder ihr Lobhudeleien schreiben möchte, klickt sich beherzt in ihre Internetwohnung:

 

www.allesausserbinnenschifffahrt.de

 

Geschmackssinniges, Oktober 2019.

 

Auf 'ne Stulle mit Künstlerin Ninou Schmidt

 

Wie schmeckt deine Kunst?

 

Ich würde sagen süß, bitter und scharf. So wie Bitterschokolade mit Chili. Meine Kunst ist irgendwie schön, es gibt aber auch verstörende Elemente, was die Bitterkeit oder Schärfe begründet, die im Nachgang des Betrachtens vielleicht entsteht.

 

Lass uns davon ausgehen, dass du nächstes Jahr eine große Einzelausstellung im New Museum in Brooklyn haben wirst: welche Häppchen gibt es auf der Vernissage und was sollen sie mit deinen Gästen tun?

 

Es gibt auf jeden Fall Crepes mit Maronencreme, Datteln im Speckmantel und Käse mit Weintrauben. Ich würde mir davon wünschen, dass meine Gäste einen Geschmackssorgasmus hätten, denn so etwas hatte ich tatsächlich selbst einmal in dieser grandiosen französischen Bäckerei im KadeWe. Ich hatte eine spürbar körperliche Reaktion auf dieses Essen in Form eines Schauers und genau dieses Erlebnis würde ich den Gästen meiner Ausstellung auch wünschen.

 

Deine Lieblingskünstlerin trifft sich auf ein Dinner mit dir. Wer ist sie und wo geht ihr hin?

 

Ich hätte eine illustre Runde mit Jenny Saville, Marina Abramovic, Nan Goldin, Elisabeth Peyton und Eva Olivin bei Jacques in Neukölln. Gefolgt von einer heftigen Bartour.

 

Was würdest du mit jeder Einzelnen trinken?

 

Mit Eva Olivin würde ich Bier trinken und dazu Nüsschen knabbern. Das haben wir im Studium oft gemacht und dabei über unsere Arbeit gesprochen. Eva ist leider viel zu wenig bekannt, ich finde sie aber großartig. Wir haben uns gegenseitig immer sehr unterstützt und es gab den einen oder anderen sehr bierlastigen Abend. Mit Jenny Saville würde ich Whisky trinken, wahrscheinlich Whisky Sour – ich weiß gar nicht, ob sie das trinkt, aber das verordne ich jetzt so, es geht ja um mich (lacht). Sie ist Britin und malt auch nackte Leute. Sie malt Menschen, die nicht dem klassischen Bild von „Schönheit“ entsprechen, darunter auch Trans*- oder Inter*- Personen, auch viele „dicke Leute“. Sie hat dabei eine wunderbare Art Haut darzustellen und sie inspiriert mich sehr. Mit Marina Abramovic würde ich Rotwein trinken – ihre Dokumentation „The Artist is Present“ habe ich mit meinen Schüler*innen geschaut, weil ich zeigen wollte, was alles Kunst sein kann und darauf gab es viele eher negative Reaktionen von Lernenden, die zu Beginn Dinge sagten wie „Hä? Das soll Kunst sein?“. Im Laufe der Dokumentation

wurden sie aber immer ruhiger und leider hatten wir auch nicht genug Zeit, um den Film zu Ende zu schauen und darauf bot ich an, dass Freiwillige in einer Freistunde zu mir kommen können, um ihn anzusehen und es sind 5 Schüler*innen gekommen, da musste ich wirklich ein Tränchen verdrücken, weil ich gesehen habe, wie bewegt sie von einigen Passagen waren. Somit verbinde ich Marina Abramovic mit diesem rührseligen Moment und Rotwein. Mit Elisabeth Peyton würde ich auch Bier trinken. Sie ist auch Malerin, malt aber sehr dünn mit Öl, also ganz anders als ich, aber als ich zum Studium in New York war, habe ich eine Ausstellung von ihr gesehen und war begeistert. Die Photographin Nan Goldin macht wunderschöne intime Aufnahmen von Menschen, die auch eher zu den Randfiguren gehören. Sie ist Amerikanerin und gerade sehr aktiv gegen Oxycodon – dieses Schmerzmittel, was alle wahnsinnig schnell abhängig macht. Sie selbst war ebenfalls stark abhängig davon und deswegen überlege ich auch gerade, was ich mit ihr trinken würde... vermutlich Tee (lacht).

 

Was würdest du dir von dieser gemeinsamen Bartour erhoffen? Was soll enstehen?

 

Ich wünschte mir so etwas wie „Sisterhood“. Also ein Austausch unter Künstlerinnen, der in gegenseitiger Inspiration und Unterstützung mündet. Bis auf Eva sind das ja alles Künstlerinnen, die von ihrer Kunst leben können. Du hattest mich ja

explizit nach weiblichen Künstlern gefragt, aber auch so hätte ich bewusst nicht den weißen männlichen Künstler gewählt, weil es nach wie vor so ist, dass alle die, die nicht weiß und männlich sind, total unterrepräsentiert sind auf dem Kunstmarkt und es auch schwer haben, Zutritt zu finden und deswegen ist es mir auch wichtig, Künstlerinnengruppen zu haben, um sich auszutauschen und gegenseitig zu stärken.

 

Mir ist klar, dass in der Kunstwelt, die gleichen Strukturen greifen wie in der Gastronomie, nämlich, dass weiße Männer tendenziell auch weiße Männer fördern und sich somit ein System reproduziert, das Ausschlüsse von Personen in schwächeren gesellschaftlichen Positionen herstellt. Hast du dennoch eine Idee, was dieses Machtgefälle speziell in der Kunst so hartnäckig macht?

 

In meiner Abschlussarbeit „Kunst & Prostitution“ habe ich den Kunstmarkt auf Geschlechterverhältnisse untersucht. Dieses Ungleichgewicht hat eine sehr lange Tradition in der Kunstgeschichte und wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass Männer aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position auch selbstbewusster und somit aggressiver auf dem Markt sind. Wenn man sich konkrete Statistiken anschaut, wird die Schieflage ja deutlich: unter den 10 bestbezahlten Künstler*innen der Welt ist eine Frau, wer bekommt die Retrospektiven im MoMA in New York? 90 Prozent Männer. Und diese Zahlen gehen immer so weiter. Ich will damit nicht sagen, dass Männer schlechte Kunst machen, aber Frauen machen auch keine schlechtere Kunst. Ich habe auch lange darüber nachgedacht, was die Frauen und Männer tun, die auf dem Kunstmarkt erfolgreich sind: Jeff Koons zum Beispiel hat eine Photoserie gemacht mit der Pornodarstellerin, mit der er verheiratet war, und sie gibt ihm einen Blowjob auf Knien und er steht da wie der Gott und da frage ich mich, was ist hier der Punkt? (Ninou zeigt mir die Bilder)

 

Es gibt ja offenbar keine zweite Ebene, die dieses Machtgefälle bricht oder irgendeine Frage aufwirft, sondern diese Bildsprache reproduziert einfach nur bestehende gesellschaftliche Machtverhältnisse und pornographisiert sie. Was machen die Frauen* anders?

 

Interessanterweise hat das Werk von Frauen oftmals auch etwas Sexuelles oder generell etwas sehr Preisgebendes. Aber das ist eine ganz andere Nummer, so hat sich zum Beispiel die Künstlerin Andrea Fraser dabei filmen lassen, wie sie mit einem Galeristen schläft. Das ist ein sehr bekanntes Video und sie hatte damit Erfolg, aber es nutzt eben die schwächere Position als Anklage an die Verhältnisse. Natürlich hat sich meine eigene Kunst durch diese theoretische Auseinandersetzung mit dem System weiterentwickelt, vor allem auch aus der Unlust heraus, an diesem System teilzunehmen. Ich hoffe also, dass man bei mir auch die Metaebene erkennt, die diesbezüglich immer mitschwingt.

 

Warum malst du nackte Frauen statt nackte Grapefruits?

 

Ich finde Frauen einfach sehr ästhetisch. Ich mag es, Haut und Rundungen zu malen. Auch ist es mir wichtig, Frauen mit den Augen einer Frau darzustellen. Offensichtlich geht es nicht ums Erfolgreichsein, denn das bin ich ja gerade nicht. Ich denke, es hat viel mit Erforschung zu tun. Ich interessiere mich dafür, was passiert, wenn eine Frau eine nackte Frau malt und was, wenn es ein Mann tut.

 

Denkst du, das hat auch etwas mit der sexuellen Orientierung zu tun? Sind Bilder von nackten Frauen sexualisierter, wenn sie von heterosexuellen Männern gemalt sind?

 

Ich selbst bin hetero und trotzdem haben meine Frauen manchmal etwas sehr Sexuelles. Das hat vielleicht auch mit der Erforschung der eigenen Sexualität zu tun – die Frauen, die ich male, sind manchmal sehr stark, manchmal sehr verletzlich, bei einigen hat man das Gefühl, die wollen sich kaum zeigen, andere wollen sich total zeigen und darin spiegelt sich natürlich auch meine Geschichte. Mich haben diese Standardbeobachtungen immer sehr aufgeregt: wenn Frauen mehrere Partner haben, sind sie Schlampen, Männer bekommen dafür ein High Five. Diesbezüglich bewegt sich ja momentan viel und das feiere ich total ab. Ich arbeite ja mit alten Photographien aus den 60er Jahren als Vorlagen und auch da fällt mir auf, dass es das schon immer gab: Frauen, die Lust hatten und auch ihre Lust zeigen wollten. Vielleicht geht es mir also um Befreiung und da darf Verletzlichkeit genau so Thema sein wie selbstbewusste Lust.

 

Was isst du, wenn die Muse gerade unterwegs ist und deine Inspiration fehlt?

 

Pizza!!!!

 

Danke, Ninou.

 

Ninou Schmidt wünschte sich eine Vollkornstulle mit Butter, Bergkäse, Salat und Feigensenf. Sie wohnt auch im Internet und zwar genau hier: 

 

https://www.ninouschmidt.com/.

 

Geschmackssinniges, Oktober 2019.

 

Auf 'ne Stulle mit Schauspielerin Magdalena Steinlein

 

 

Eine Stulle ist…

 

…am Besten, wenn sie selbstgemacht ist. Nachdem ich das Buch „Ich bin raus“ von Robert Wringham gelesen hatte, in dem er darüber schreibt, dass man zu viel Geld ausgibt für Dinge, die man nicht braucht und dass man in diesem kapitalistischen System immer nur arbeitet, um wieder Geld auszugeben und sich zu belohnen, wurde mir bewusst, wieviel Geld ich für „to-go“-Lebensmittel wie Kaffee oder belegte Brote ausgebe. Der erste Gedanke war natürlich, dass das eine furchtbare Verschwendung von Ressourcen ist und als ich dann wieder begonnen habe, meine Stullen selbst zu schmieren, mir selbst mein Porridge im Glas anzurühren und sogar meinen geliebten Kaffee im Schraubglas mitzunehmen, ist mir aufgefallen, dass es einfach viel besser schmeckt.

 

Ein durchschnittlicher Drehtag: Was isst du an so einem Tag?

 

Nichts allzu Schweres. Meine Konzentration leidet dann immer als Erstes darunter. Generell kein Fleisch, das liegt mir lange und schwer im Magen. Lieber eine Suppe, viel Obst & Gemüse, auch gerne ein belegtes Brot. Beim Catering gibt es oft das Problem, dass man einfach alles jederzeit essen kann. Das verführt dazu, ständig irgend etwas in sich hineinzuschaufeln, teilweise auch um die langen Wartezeiten zu überbrücken. Es ist manchmal schwer, da „Nein!“ zu sagen und das gelingt mir natürlich auch nicht immer. Zumindest habe ich es geschafft, nicht 5-10 Becher Kaffee am Set oder während der Proben zu trinken.

 

Welche Essgewohnheiten sind dir peinlich?

 

Gib mir eine Tüte „Nimm2“. Ich nehme das Angebot aber nicht so genau und esse die ganze Tüte auf, ohne zu überlegen. Ist nicht unbedingt mir unangenehm, aber meinem Insulinspiegel.

 

Eine ganze Tüte „Nimm2“? Wie lange dauert es, bis der Gaumen wieder verheilt ist?

 

Zwei Tage!

 

Welches ist dein Lieblingsrestaurant?

 

„Zeit für Brot“ in Berlin, kein Restaurant, aber eine fantastische Bäckerei mit den besten und saftigsten Schoko-Schnecken der Welt. Das Café ist lichtdurchflutet und es ist immer genug Platz. Ich arbeite da unheimlich gerne und beobachte Leute.

 

Ich gebe dir 5 Euro und du sollst dir davon ein Abendessen kaufen: Welche Nahrungsmittel würdest du kaufen?

 

Ich würde versuchen, mir davon beim Bäcker ein frisches Landbrot zu besorgen. Dazu ein Stück gesalzene Butter und eine Tomate. Mehr bräuchte ich nicht.

 

Das emotionalste Lebensmittel für dich?

 

Kartoffelschalen. Als Kind gab es ein Schwein in der Nachbarschaft, das hatte interessanterweise ebenso blonde Locken wie ich früher, und das bekam immer die übriggebliebenen Kartoffelschalen aus unserem Haushalt. Diese Kartoffelschalen waren für mich aber ebenso lecker und so bekam ich die eine Hälfte der Schalen und das Schwein die andere. Wir waren sozusagen das Dreamteam der biologischen Abfallbeseitigung und alle nannten mich daraufhin Lockenschwein. Nachdem mir zum ersten Mal die Haare geschnitten wurden, waren die Locken weg, Kartoffelschalen knabbere ich allerdings bis heute noch gern.

 

Was kommt dir nicht in die Küche?

 

Maggi Fix. Das größte Verbrechen, das je an den heimischen und exotischen Kräutern begangen wurde.

 

Wenn du etwas nicht Essbares essen könntest, was wäre das?

 

Meinen Freund. Oder Blumen. So eine Tulpe schmeckt zum Beispiel sicher gut, Sonnenblume wäre eher nicht so meines – zu labberig. Und Rosen würde ich gern probieren, weil mich der Duft einfach betört. Ansonsten wäre Duschgel sicher noch interessant.

 

Oh ja, da fällt mir gleich diese Erdbeer-Kinderzahnpasta ein, die toll schmeckte, aber man durfte sie nie essen. Sei ehrlich, hast du sie gegessen?

 

Ich glaube, die hatte ich gar nicht. Bei uns in der Familie gab es weder einen Fernseher mit Empfang noch hatte ich eine Barbie oder Ähnliches. Ich bezweifle, dass es so „neumodisches“ Zeug wie eine Zahncreme mit Erdbeergeschmack gab (lacht).

 

Was hast du immer im Kühlschrank und was sagt das über dich?

 

Butter und Kaffeebohnen. Ich habe einen hohen Verschleiß an beiden Lebensmitteln und achte penibel darauf, dass immer etwas zu Hause ist. Butter darf bei mir gern an alle Gerichte und sehr dick auf’s Brot. Alles schmeckt besser mit Butter. Das ist für mich einfach das Symbol für ein genussvolles Leben – sozusagen mein „Deutsche Vita“.

Ohne Kaffee würde ich zwar überleben, aber er würde mir unheimlich fehlen. Ich habe in der Fastenzeit mal auf Kaffee verzichtet, das war furchtbar. Es ist ein Ritual für mich, morgens mit meinem Kaffee in der Hand Dinge zu tun, die mir gut tun – lesen, auf der Hängematte auf dem Balkon baumeln, im Winter eingekuschelt in meinem Lieblingssessel sitzen...das setzt die Grundatmosphäre für einen guten Tag.

 

Was wäre deine Henkersmahlzeit?

 

Linguine mit selbstgemachter Arrabiata mit Parmesan und kleinem Spinatsalat anbei. Dazu ein Glas Rotwein. Oder zwei. Und natürlich einen Espresso am Ende. La Dolce Vita bis zum Tod.

 

Magdalena Steinlein wünschte sich ihre Stulle mit viel Butter, Tomatenmark, Bergkäse, Apfelscheiben und Pfeffer. Man kann sie in ihrer Internetwohnung besuchen unter: 

 

https://www.magdalenasteinlein.de/  

 

Geschmackssinniges, September 2019.

 


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